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PAWO im Opernhaus

Interview mit dem Dortmunder Filmeacher Marvin Litwak zur Entstehung von PAWO.

Wie kommt man auf die Idee ohne Budget einen Kinofilm zu machen?
Die Idee war es eigentlich MIT Budget einen Kinofilm zu machen. Es gestaltet sich aber in Deutschland leider als sehr schwierig, ein fernes Thema wie
den Freiheitskampf der Tibeter hier zu finanzieren. Dazu kommt natürlich, dass die Idee an sich schon sehr waghalsig war: Debütfilm in Indien auf tibetisch mit Laiendarstellern. Es gibt einfachere Parameter, mit denen man sein Debütfilm realisieren kann. Zuletzt kam dann eher unfreiwillig "kein Budget" hinzu.
Wir waren zu diesem Zeitpunkt aber schon zu weit fortgeschritten in der Planung, Vorbereitung, Umsetzung und dem gesamten Drehbuch, sodass wir einfach nicht aufgeben wollten.
Und die gesamte Crew, Deutsche wie Tibeter, hat gesagt: "Egal, lass es uns ohne Förderung machen. Das Thema ist wichtig und das Abenteuer wartet."

Dreharbeiten in Asien stellen wir uns nicht ganz einfach vor, was waren die härtesten Herausforderungen?
Da gibt es viele Geschichten und Herausforderungen. Angefangen damit, dass wir keine offizielle Drehgenehmigung hatten. Die kostet in Indien sehr viel Geld + das heikle politische Thema,  dadurch mussten wir nach Möglichkeiten suchen nicht aufzufallen. Das heißt, wir haben viel in Guerillia-Manier gedreht: Location ausgesucht, schnell hin, schnell drehen und schnell wieder weg.
Körperlich waren die Dreharbeiten in Ladakh auf 4000-4500 Metern die größte Herausforderung. Ich leide an Höhenkrankheit und lag die ersten Tage mit Fieber und Halluzinationen im Bett. Erst zum ersten Drehtag stand ich gerade soeben wieder auf den Beinen. Auch wenn man sich irgendwann daran gewöhnt hat, das war nicht immer leicht - egal ob Sportler oder nicht.
In Dharamsala sind wir mit Mulis, die unser Equipment getragen haben, den Berg Triund einen halben Tag lang hochmarschiert. Haben dort auf 3000 Meter übernachtet und wollten am nächsten Tag abends wieder runtermarschieren. Jedoch die Mulis nicht, weil es schon zu dunkel wurde. Da wir am darauffolgenden Tag wieder in Delhi sein mussten, mussten wir also alle das schwere Equipment selbst tragen und nachts nur mit Kopflampen den Berg wieder runtermarschieren. Tatsächlich umgeben von Bären und dutzende Meter tiefe Abgründe. Sowas Dummes würde heute glaub ich keiner mehr von uns machen. Hier hat aber jeder alles für den Film gegeben. Wir wollten es schaffen.

Was erwartet die Besucher von Kinoper und PAWO im Großen Haus?

Pawo ist ein sehr ungewöhnlicher Film. Es war immer das Ziel, die tibetische Sichtweise auch in der Kunstform des Spielfilms rüberzubringen und einen Spagat zu schaffen, zwischen unseren "westlichen Sehgewohnheiten" und denen der tibetischen Kultur. Es ist ein sehr eindringlicher und ruhiger Film, der auch, passend zur Oper, von einer ganz besonderen Musik getragen wird.
Unser Komponist Sebastian Heinreich hat im Exil mit über 30 tibetischen und deutschen Musikern Instrumente, von Knochenflöte bis Dilruba, eingespielt und sie zusammen mit der tibetischen Rockband JJI zu einem Score gefasst, der bewegender nicht sein kann. Es ist also ein Film, der ganz besonders ist, ein trauriges Thema aufgreift und der den Zuschauern die Möglichkeit gibt, die Perspektive eines jungen Menschen einzunehmen, der nicht wie wir in Freiheit aufwächst, der für die Freiheit fliehen muss, seine Familie verliert und den Kampf gegen diese Ungerechtigkeit aufnimmt.
Gespielt von Schauspielern, die es selbst erlebt haben.

Mit wem gehen sie hin?
Seinen Film in solch einer beindruckenden Location zu sehen ist natürlich etwas besonderes. Neben meiner lieben Frau wird mich natürlich mein langjähriger Kameramann und Freund Amin Oussar begleiten, der für die beeindruckenden Bilder von Pawo verantwortlich ist und diesen langen Weg von Beginn an meiner Seite stand, sowie sicher noch weitere Teile des unglaublichen Teams die fast allesamt aus Dortmund kommen.
Wann werden wir wieder solch eine Ehre haben ? Pawo hat schliesslich von der ersten Recherchereise bis heute über sechs Jahre gedauert ;)