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Bürgerdialog

 

Viel Konsens und neue Ideen beim 2. Bürgerdialog zum Hafenquartier Speicherstraße

In der „Casa Portuguesa“ des Kleingartenvereins Westerholz fand am Montag, 21. Oktober, der zweite Bürgerdialog zur Entwicklung des Hafenquartiers Speicherstraße statt. Auch diesmal folgten wieder rund 50 interessierte Bürgerinnen und Bürger der Einladung von Wirtschaftsförderung und d-Port21, darunter zahlreiche Mitglieder der Hafeninitiative. Schwerpunktthemen waren die Gestaltung des öffentlichen Raums im Bereich der südlichen Speicherstraße sowie das Radwegekonzept. Was auffiel: Die von Thomas Westphal, Geschäftsführer der Wirtschaftsförderung, moderierte Diskussion verlief ausgesprochen sachlich, konstruktiv und fachkundig. Die Gesprächskultur, die sich seit der Bürgerwerkstatt im Sommer entwickelt hat, ist von Respekt geprägt. Man nimmt sich gegenseitig ernst. Und mehr noch: Bei vielen Ideen und Vorschlägen, die von der Hafeninitiative eingebracht wurden, hatte man das Gefühl, dass Stadt und engagierte Bürger gar nicht weit auseinanderliegen.

Die Arbeiten am Projekt d-Port21, der Entwicklung der nördlichen Speicherstraße also, schreiten aktuell im Hintergrund voran. Der Wettbewerb für die städtebauliche Rahmenplanung ist ausgelobt. Die teilnehmenden Büros entwickeln zurzeit ihre Ideen. Am 9. Januar wird die Experten-Jury einen Entwurf zum Sieger küren; auf dessen Basis wird die Entwicklung dann konkretisiert.

Deutlich weiter fortgeschritten sind die Planungen für den Bereich der südlichen Speicherstraße. Hellmut Neidhardt vom Büro Landschaft planen + bauen stellte sie beim Bürgerdialog in der Casa Portuguesa vor – und nahm den Hafen-Anwohnern gleich zu Beginn viele Ängste. Seine Kernbotschaft: Der Hafen soll seinen Charakter behalten. „Im Grunde soll es morgen so aussehen wie heute – nur, dass man das Areal künftig legal nutzen kann“, sagte er. „Wir wollen nicht am Reißbrett ein seelenloses Alien-Quartier entwickeln, das bei den Menschen keine Akzeptanz findet.“

Was man stattdessen will: Einen kleinen Park am Santa-Monika-Anleger und einen Platz mit hoher Aufenthaltsqualität im Bereich der ehemaligen Strandbar „Solendo“. Die Speicherstraße und die Promenade werden autofrei. Wildes Grün ist geplant; Bäume, die dem Klimawandel trotzen, Container als mobile Spielpunkte für Kinder. Radfahrer sollen ausreichend Fahrradständer vorfinden, Bänke und Sitzgelegenheiten zum Verweilen einladen. Insgesamt werde die künftige Möblierung den Industrie-Charakter des Hafens noch betonen, so Neidhardt. Dazu passt, dass das Originalpflaster wieder in die Speicherstraße eingebaut wird. Die 4.000 qm Pflastersteine sind derzeit eingelagert. Ein 1,80 Meter breiter Streifen gewährleistet Barrierefreiheit für Menschen mit Seh- oder Geh-Beeinträchtigung.

Auch visuell gibt es Ideen: So soll die Brücke zum Hafenamt von unten beleuchtet werden und ein Lichttor zum Stadthafen bilden. Auf die Front des Stahlanarbeitungszentrums (SAZ) an der Westseite des Hafenbeckens könnte man historische Ansichten des 1899 von Kaiser Wilhelm II. eröffneten Dortmunder Hafens projizieren.

Von der Hafeninitiative gab es neben Lob für die Planung auch zusätzliche Ideen, die sich auf das gesamte Areal beziehen – also auch auf den d-Port21 im nördlichen Abschnitt der Speicherstraße: Sport- und Bewegungsmöglichkeiten im öffentlichen Raum sind gewünscht. Dazu „unfertige Räume“ für Kultur, Kleinkunst oder einfach nur, um sich treffen, zu reden und chillen zu können. Die Sitzmöbel sollten so dimensioniert sein, dass sie auch Gruppen Platz bieten. Gefordert, derzeit aber nicht geplant, sind öffentliche Toiletten. Gewünscht, aus rechtlichen Gründen aber nicht realisierbar, sind schwimmende Grünflächen im Hafenbecken. Die Idee, an Land einen Gemeinschafts-Hafengarten anzulegen, nahm Thomas Westphal hingegen unverzüglich auf und zur Prüfung mit. Und auch Hellmut Neidhardt sicherte zu, die Anregungen zu prüfen und soweit möglich zu berücksichtigen. Dazu gehört auch, statt einfacher Fahrradständer möglicherweise überdachte Abstellplätze zu schaffen.“ Nach Vorstellung der Hafeninitiative idealerweise solche mit begrünten Dächern, um kleine Biotope für Bienen und Insekten zu schaffen.

An den Dialog über die Gestaltung des öffentlichen Raumes schloss sich eine engagierte Diskussion über die aktuelle Qualität und künftige Maßnahmen zur Stärkung des Radwegenetzes hin. Einhelliger Tenor: Der neuralgische Punkt ist die Mallinckrodtstraße. Um dort mit dem Fahrrad in Konkurrenz zu Pkw- und Lkw-Verkehr zu treten, muss man mindestens mutig, eher sogar übermütig sein. Anette Herter, beim Stadtplanungs- und Bauordnungsamt für Mobilitätsplanung zuständig, erläuterte aber: Das regionale und städtische Radwegenetz, das sich derzeit noch in Planung befindet, werde die Mallinckrodtstraße – Stand jetzt – als Hauptachse auswiesen. Für die Stadt würde sich daraus der klare Auftrag ergeben, die Lücke im Radweg zu schließen. Die Vertreter der Hafeninitiative lud Herter spontan ein, den Austausch in einer Runde mit weiteren Experten fortzusetzen und zu vertiefen.

Termin:
Der 3. Bürgerdialog zum Hafenquartier Speicherstraße findet am 9. Dezember um 18.30 Uhr in der Casa Portuguesa der Kleingartenanlage Westerholz, Schützenstraße 196, statt. Interessierte Bürgerinnen und Bürger sind herzlich eingeladen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.