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Nach Unfall zwei »Talente« aus dem Verkehr gezogen

Vielfalt auf der Volmetalbahn

26. August gegen 23.30 Uhr: Zwei Züge der Dortmund-Märkischen Eisenbahn (DME) haben nach Betriebsschluss die Abstell- und Werkstatthalle in Eving fast erreicht, als ihnen plötzlich eine Rangierlok auf dem gleichen Gleis entgegenkommt. Bei dem Zusammenstoß wird glücklicherweise keiner der Lokführer verletzt, doch es entsteht hoher Sachschaden. Die beiden DME-Züge des Typs »Talent« müssen für mehrere Monate aus dem Verkehr gezogen werden. Damit stehen 50 Prozent des Fahrzeugparks nicht mehr zur Verfügung. Ersatz muss her - und das schnellstens.

Aber das ist leichter gesagt als getan. Denn kein Eisenbahnunternehmen hat mal eben ein paar Fahrzeuge in Reserve, um diese für einige Monate auszuleihen. Dennoch war für DME-Geschäftsführer Heinrich Truß klar: "Wir müssen alle Hebel in Bewegung setzen, damit möglichst schnell wieder die gesamte Strecke der Volmetalbahn zwischen Dortmund und Lüdenscheid befahren werden kann." Und das geht nur mit mindestens drei Fahrzeugen. Gleich am Morgen nach dem Zusammenstoß laufen die Drähte heiß, um bei anderen Unternehmen und auch bei Fahrzeugherstellern zu erfragen, wer leihweise einen Zug zur Verfügung stellen kann. Die Hilfsbereitschaft ist groß, doch kaum ein Unternehmen kann eine Bahn über einen längeren Zeitraum entbehren.

So erleben die Fahrgäste seit Anfang September eine ausgesprochene Fahrzeugvielfalt auf der Volmetalbahn. Die Ostmecklenburgische Eisenbahngesellschaft (OME) schickt schon am 2. September für knapp eine Woche einen Talent gleicher Bauart nach Dortmund. Am 2. September trifft aus Düren ein »Regio-Sprinter« der Dürener Kreisbahn ein, Anfang Oktober stellt das Unternehmen ein weiteres Fahrzeug dieses Typs zur Verfügung. In der zweiten Septemberhälfte staunen Fahrgäste wie Anwohner entlang der Strecke nicht schlecht, als ein Zug aus zwei Schienenbussen - Baujahr 1963 - zwischen Dortmund und Lüdenscheid pendelt, den die Karsdorfer Eisenbahngesellschaft aus Sachsen-Anhalt ausgeliehen hat. Mit dem »Weißen Riesen« aus Salzgitter, ein Fahrzeug der Baureihe LINT 41 vom Hersteller
Alstom LHB, das seit wenigen Tagen auf der Strecke ist, hat die Fahrzeug-Vielfalt nun aber auch ein vorläufiges Ende.

Die beiden beim Unfall erheblich beschädigten Talente befinden sich derzeit zur Reparatur in der Nähe von Halle und werden frühestens in sechs Monaten wieder zur Verfügung stehen. Sowohl für die Fahrgäste als auch für die Triebfahrzeugführer der DME war und ist der ständige Fahrzeugwechsel sicherlich gewöhnungsbedürftig, zumal noch hinzukam, dass wegen Gleisbauarbeiten der Deutschen Bahn AG die Strecke stellenweise nicht befahrbar war. Umso mehr dankt die DME allen Beteiligten für ihre Geduld in dieser Engpass-Situation.