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Dortmund-Märkische Eisenbahn verabschiedet sich

Ende einer schönen Episode

Note "gut" – und trotzdem nicht versetzt. So lässt sich das bevorstehende Ende der Dortmund-Märkischen Eisenbahn (DME) treffend umschreiben. Seit dem 30. Mai 1999 hat die DME mit ihren modernen Zügen des Typs "Talent" die Linie von Dortmund über Hagen nach Lüdenscheid befahren. Sie konnte in dieser Zeit rund 20 Prozent mehr Fahrgäste gewinnen. Und dennoch wird der Talent am 11. Dezember ein letztes Mal auf der Volmetalbahn zu sehen sein, die dann wieder – wie schon bis 1999 – unter Regie der Deutschen Bahn AG fährt.

Dezember 1996: Bei den Dortmunder Stadtwerken (DSW) und bei der Märkischen Verkehrsgesellschaft (MVG) in Lüdenscheid knallen die Sektkorken. Erstmals war eine Schienenstrecke in Nordrhein-Westfalen europaweit ausgeschrieben worden und die beiden Unternehmen konnten sich als Bietergemeinschaft gegen ihre Mitbewerber durchsetzen. Ein halbes Jahr später gründen DSW und MVG die Dortmund-Märkische Eisenbahn, die ab dem 30. Mai 1999 mit ihren modernen Triebzügen ins Märkische Sauerland fährt.

Schnell spricht sich herum, dass auf der Volmetalbahn einiges in Bewegung geraten ist. Es sind nicht nur die neuen Fahrzeuge, sondern auch Verbesserungen beim Service und beim Fahrplan, die der neuen Volmetalbahn erheblich mehr Fahrgäste bescheren: Viele Züge werden von Service-Mitarbeitern begleitet, vormittags an Sonn- und Feiertagen werden später zusätzliche Fahrten angeboten. Rund 20 Prozent mehr Fahrgäste nutzen die neue Volmetalbahn, die Signale für die Zukunft der DME stehen eigentlich auf Grün.

Aber eben nur eigentlich. Denn im Frühjahr 2002 wird die Linie erneut ausgeschrieben. Diesmal allerdings nicht allein, sondern als Paket mit drei weiteren Linien in Richtung Sauerland. Natürlich bewirbt sich die DME um das Paket, bleibt aber auf der Strecke, weil der Preis von ausschlaggebender Bedeutung ist. „Wir haben ein finanziell seriöses Angebot eingereicht, aber wie schon bei der Bewerbung um die Volmetalbahn auch auf Qualität gesetzt“, so die beiden DME-Geschäftsführer Heinrich Truß und Karl-Heinrich Timmerhoff. „Leider sind wir damit nicht zum Zuge gekommen. Nur: Um jeden Preis fahren und noch Geld mitbringen, das konnten und wollten wir nicht.“

So macht sich der DME-Zug nun am 11. Dezember um 20.33 Uhr ein letztes Mal auf den Weg nach Lüdenscheid, und der letzte Talent aus Richtung Lüdenscheid erreicht Dortmund an diesem Tag um 22.28 Uhr. Selbstverständlich wird sich die DME gebührend von ihren Fahrgästen verabschieden, wobei Einzelheiten noch nicht verraten werden. „Das sind wir unseren treuen Kunden schuldig, die viel Verständnis hatten, wenn es mal nicht richtig rund lief“, bilanzieren Truß und Timmerhoff. Doch auch in "schweren" Zeiten hat sich die DME bewährt und dafür ein dickes Lob ihrer Auftraggeber erhalten. Nach zwei schweren Unfällen fielen gleich mehrere Talent-Triebzüge Monate lang aus. Aber stets gelang es, diese kurzfristig durch Leihfahrzeuge anderer Verkehrsunternehmen zu ersetzen. Und mehrere Streckensperrungen durch die DB konnten gemeistert werden, indem ersatzweise Busse auf die Reise geschickt wurden.

Der 11. Dezember wird nun für die DME wie für die Fahrgäste vermutlich ein wehmütiger Tag, wenngleich es für die Mitarbeiter eine Perspektive gibt. Sie erhalten allesamt einen anderen Arbeitsplatz, überwiegend bei den DSW und bei der MVG. In Sachen Verkauf der vier Talente ist man im Gespräch mit mehreren Interessenten, doch wo der "Nahverkehrs-ICE" künftig rollt, steht noch nicht fest. Aber wohin die Reise auch geht: Die DME bedankt sich bei den vielen Fahrgästen, die in den fünfeinhalb Jahren mit der neuen Volmetalbahn gefahren sind.