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Sternstunden

103 Stationen weisen den Weg

Seine beiden Tore, die er am 24. Juni 1989 beim DFB-Pokalfinale gegen Werder Bremen im Berliner Olympiastadion erzielt hat, sind legendär: Norbert Dickel, der »Held von Berlin«.

(von Oliver Volmerich)
Wie hieß der erste BVB-Vereinspräsident? Wann gab es den ersten Sieg über Schalke 04? Wer schoss das erste Bundesliga-Tor? Und wer stand im Kader beim Champions-League-Sieg des BVB 1997? Die Antworten auf diese Fragen können sich BVB-Fans in Dortmund regelrecht erwandern: auf dem Walk of Fame, der Ruhmesmeile des BVB zwischen Borsigplatz und Stadion.

Auf mittlerweile 103 Stationen wird die Geschichte des ruhmreichen Vereins erzählt und den Helden der Borussia ein steinernes Denkmal gesetzt. Die Steine, die wichtige Kapitel und Persönlichkeiten des 103-jährigen Vereinslebens dokumentieren, sind ein Geschenk der Dortmunder Tageszeitung Ruhr Nachrichten, Medienpartner des BVB, zum 100. Geburtstag des Vereins im Jahr 2009. „Die Idee war, eine bleibende Erinnerung an die Vereinsgeschichte zu schaffen, die eine Brücke schlägt zwischen der Geburtsstätte der Borussia am Borsigplatz und dem Schauplatz der jüngsten Erfolge, dem Signal Iduna Park“, erklärt Ruhr Nachrichten-Chefredakteur Hermann Beckfeld als Initiator. „Der Walk of Fame in Hollywood war dabei Vorbild.“

Und wie für die Film-Fans im fernen Kalifornien ist auch der sportliche Weg des Ruhms in Dortmund nicht nur für BVB-Anhänger aus dem Stadtbild kaum noch wegzudenken. Nicht zuletzt ist er für viele Sponsoren eine gute Gelegenheit, dauerhaft ihre Verbundenheit mit dem Verein zum Ausdruck zu bringen: Sie können für 3.900 € einen Stein stiften, der dann mit ihrem Logo auf Straßen und Plätzen verlegt wird. Neben vielen Firmen und Organisationen haben sich auch einige Privatleute eine Erinnerungsplatte gesichert – wie etwa Oberbürgermeister Ullrich Sierau. Er stiftete den Stein zur ersten deutschen Meisterschaft des BVB 1956 – Sieraus Geburtsjahr. Oder DSW21-Mitarbeiter Dirk Liebegut, der gemeinsam mit zwei Freunden dem Stürmer der Meistermannschaft der Jahre 1956 und 1957, Helmut Kapitulski, den Stern Nr. 26 am Königswall widmete. „Viele Sponsoren hegen und pflegen ihren Stein bis heute liebevoll“, freut sich Beckfeld.

Idee zum 100. Geburtstag

Der Grundstein für die Ruhmesmeile wurde von BVB-Hauptsponsor Evonik im September 2009 vor dem Signal Iduna Park an der Strobelallee in Form der ersten, 40 Kilo schweren Steinplatte mit der Aufschrift »100 Jahre BVB« gesetzt – passend zum 100. Geburtstag des Vereins, der im Dezember des Jahres groß gefeiert wurde. Fast genau ein Jahr später folgte mit dem Stein Nummer 1 der vorläufige Abschluss. Er liegt vor der Dreifaltigkeitskirche in der Nähe des Borsigplatzes – dem Gotteshaus jener Gemeinde, aus der der Verein hervorging. Heute erinnert neben dem ersten Walk of Fame-Stein eine kleine Ausstellung in der Kirche an die Keimzelle des BVB und die enge Verbindung zur katholischen Kirche, die mit einem Streit begann. Denn weil ihnen der Kaplan der Gemeinde, Hubert Dewald, das aus England importierte Fußballspiel untersagte, gründeten junge Männer am 19. Dezember 1909 kurzerhand den Ballspiel-Verein Borussia. Das war im Lokal »Zum Wildschütz« in einem Eckgebäude an der Oesterholzstraße. Auch an dieses Gründungslokal erinnert selbstverständlich ein Stein, genauso wie an Franz Jacobi, den ersten Vereinspräsidenten, oder August Lenz, den ersten Nationalspieler des Vereins.

Vom Borsigplatz führt der Walk of Fame ins Stadtzentrum, wo an die ersten großen Erfolge des Vereins mit der Doppelmeisterschaft 1956/57 erinnert wird. Die legendäre Meister-Elf der beiden Jahre, die beide Titel in exakt derselben Aufstellung holte, wird mit allen Beteiligten gewürdigt.

Kuriose Geschichten

Die Gewinner der Champions-League 1997 sind ebenso alle mit einem eigenen Stein verewigt, wie die Europapokal-Sieger von 1966 – bis hin zum »Schalker« Rudi Assauer, der vor seiner Managerkarriere in Blauweiß immerhin vier Jahre für die Schwarzgelben am Ball war und die Verlegung seines Steins im April 2010 wie viele andere Alt-Borussen persönlich miterlebte. Die großen Duelle mit dem Revier-Rivalen leben auf dem Walk of Fame gleich mehrfach auf. Außer an den ersten BVB-Sieg über Schalke 04 im November 1943 wird mit Stein Nummer 57 auf der Hohen Straße etwa an den legendären Hundebiss im Derby-Spiel am 6. September 1969 im Stadion Rote Erde erinnert, als der Schalker Spieler Friedel Rausch im Torjubel der Gelsenkirchener von einem Wachhund an empfindlicher Stelle gebissen wurde. Zu den kuriosen Erinnerungen aus der Vereinsgeschichte gehört auch der »Torfall von Madrid« vom 1. April 1998, als ein umgefallenes Tor im Bernabéu-Stadion in der spanischen Hauptstadt den Anpfiff der Champions-LeaguePartie Real Madrid gegen Borussia Dortmund um 76 Minuten verzögerte und eine legendäre TV-Reportage bescherte.

Nachzulesen sind all diese Geschichten in einer Begleitbroschüre, die die 100 ersten Sternstunden des Vereins noch einmal aufleben lässt. Vor allem viele auswärtige BVB-Fans nutzen die Gelegenheit, sich – mit oder ohne Begleitheft – die Geschichte ihres Vereins zu erwandern. DORTMUNDtourismus bietet regelmäßig Fußballrundgänge durch die City an. Die eineinhalbstündige Tour führt über einen Teil des Walk of Fame. „Die Nachfrage danach ist groß. Auch ganze Gruppen buchen diese Tour“, berichtet DORTMUNDtourismus-Sprecherin Sigrun Späte. „Der Walk of Fame passt gut zur großen Euphorie um den BVB.“

Ergänzend zu den Fußball-Touren durch die City spüren die Borsigplatz-Vorführungen der Museumspädagoginnen Annette Kritzler und Anette Plümpe unter dem Titel »Sterne zur Geschichte der Borussia« mit Schulklassen und Jugendgruppen die BVB-Geschichte rund um den Borsigplatz mit Hilfe des Walk of Fame auf.

Auch kritische Phasen der Vereinsgeschichte werden beim Walk of Fame nicht ausgespart. So wird unmittelbar vor dem Signal Iduna Park an die Rettung aus der Finanzkrise 2005 erinnert. Aber im Mittelpunkt stehen natürlich die sportlichen Helden und Erfolge. Wobei wohl kaum jemand bei der ursprünglichen Vollendung des Walk of Fame im September 2010 davon zu träumen wagte, wie schnell die Ruhmesmeile weiter wachsen würde. Mittlerweile ist Stein Nr. 103 verlegt, der nach den Meisterschaften 2011 und 2012 an das erste »Double« der Vereinsgeschichte mit dem Pokalsieg 2012 erinnert. Und der Weg des Ruhms ist weiter auf Wachstum ausgelegt.

Auch DSW21 setzt auf weitere Erfolge des BVB und wird für einen der nächsten Erfolgssteine die »Patenschaft« übernehmen.